Barrierefreie Küche

Kochen ohne Barrieren und fremde Hilfe

Tipps für barrierefreie Küchen

Barrierefreiheit ist nicht nur ein Thema für Ältere oder Menschen mit Behinderung. Sie sollten auch schon in jungen Jahren bei der Planung Ihrer Küche über barrierefreie Lösungen nachdenken. Nachträglich Änderung können Sie nämlich viel Geld kosten. Da eine Küche im Durchschnitt zwischen zehn und 15 Jahren genutzt wird, sollten Sie schon von vornherein barrierefrei planen. So bleiben teure Anpassungen im Alter aus. Vor allem Ergonomie und individuelle Arbeitsplatzlösungen sind als wichtige Faktoren unbedingt zu beachten. Ihre Küche begleitet Sie, vorausgesetzt sie wird bei der Planung bereits für diese speziellen Anforderungen ausgerüstet.

Auch eine behinderten- und rollstuhlgerechte Küche muss funktional und ergonomisch sein, um der veränderten Perspektive gerecht zu werden, die Menschen mit Handicap mitbringen. Das gilt für die Küchenmöbel in der barrierefreien Küche sowie ein cleveres Platzmanagement. Denn Planungsgrundlage bei behindertengerechten Küchen stellen individuelle Anforderungen und grundsätzliche Überlegungen dar. Aber auch ältere Küchen können in behindertengerechte Küchenzeilen umgewandelt werden, wenn es die Situation erfordert. Dafür braucht es vor allem den geschulten Blick eines Fachmanns.

Checkliste für eine barrierefreie Planung: 

  • Optimale Höhe für Küchengeräte festlegen
  • Unterfahrbare Arbeitsplatten und optimale Arbeitsplattenhöhe 
  • Flexibel absenkbare Arbeitsflächen und Oberschränke
  • Schiebetüren statt Flügeltüren 
  • Zusätzliche Ablageflächen unter Küchengeräten
  • Sicherheitsaspekte wie Handlauf, Auffahrschutz und Sturzerkennung

Platz machen für Wesentliches 

Kochen erfordert Kreativität und Freiraum. Sich frei zu entfalten ist besonders für Menschen mit Handicap in der Küche ein essenzielles Element, um Freude am Kochen zu behalten. Die üblicherweise vorgesehene Bewegungsfläche von 1,20 Meter vor Küchenzeilen wird bei rollstuhlgerechten Küchen nach der Europäischen Norm DIN E 18040-2 auf 1,50 Meter erweitert. Damit verfügt die Küche für Rollstuhlfahrer über ausreichend Platz für den Wendekreis eines Rollators oder Rollstuhls und ermöglicht bequemes Rangieren. Dasselbe erreichen unterfahrbare Schränke, die vor allem in Hinblick auf Spüle und Unterschränke angepasst werden. Flachspülen mit Unterputzsiphons und Rollcontainer, die sich einfach hin und her schieben lassen, schaffen die notwendige Beinfreiheit zum Arbeiten im Sitzen. 

Für eine optimale Ergonomie in der barrierefreie Küche sorgen empfohlene Kniefreiräume von 70 Zentimeter und Sockelhöhen von 30 Zentimeter. Je nach Arbeitsbereich schaffen kleine Kniffe Platz für angenehmeres Arbeiten und kommen den Anforderungen einer behindertengerechten Küche entgegen. Ein Überblick über die Arbeitsbereiche für Ihre Planung:

Arbeitsfläche 

Moderne bewegliche Küchen lassen sich vollautomatisch auf die individuelle Höhe des Benutzers einstellen. Ein Absenken der Arbeitsplatte und gegebenenfalls ein leichtes Kippen machen jeden Gegenstand auf der Arbeitsfläche beim senkrechten Anfahren erreichbar. Ein Absenkschutz verhindert, dass die Platte versehentlich auf den Rollstuhl aufsetzt.

Ablagen

Zusätzliche Ablagen machen vor allem unter Küchengeräten Sinn. Heiße Töpfe und Bräter können einfach auf einer hitzebeständigen, ausziehbaren Ablage unter dem Backofen abgestellt werden. Tabletts zum Herausziehen neben der Spülmaschine erleichtern das Ein- und Ausräumen und verkürzen Arbeitswege. 

Schränke 

Oberschränke, die flexibel heruntergefahren werden, schaffen ganz neue Möglichkeiten für zusätzlichen Stauraum. Verzichten Sie bei Unterschränken auf Türen. Denn Schränke, die mit Schubladen, Apothekerauszug oder Karussell ausgerüstet sind, ermöglichen leichte Handhabung, Überblick und einfachen Zugriff auf Kochutensilien und Vorräte. Vor allem sehbehinderte Nutzer profitieren von Schiebe- oder Falttüren an Schränken, da Flügeltüren oftmals nicht richtig wahrgenommen werden können und daher ein Unfallrisiko in sich bergen. 

Spüle

Lang gezogene Spülen, damit möglichst viel ohne Unterbrechung gespült werden kann, und ein nach vorn abgeschrägtes Becken erleichtern das Hantieren mit unhandlichen Töpfen. Ein langer Brauseschlauch mit Einhebel-Mischbatterie und Temperaturbegrenzer machen den Abwasch flexibler und beugen Verbrühungen vor. 

Kochfeld und Dunstabzugshaube

Auch die Kochstelle sollte absenkbar und damit leicht zugänglich sein, denn hier ist buchstäblich der größte „Gefahrenherd“ zu sehen. Setzen Sie beim Kochfeld auf Induktion. Dadurch minimiert sich die Verbrennungsgefahr bei Unachtsamkeit erheblich. Sobald Topf oder Pfanne vom Kochfeld genommen sind, ist auch die Hitze weg. Bei Einbau einer klassischen Dunstabzugshaube sollten Sie sich für ein fernbedienbares Modell entscheiden bzw. eines, das durch Bluetooth intelligent mit dem Herd zusammenarbeitet. 

Intelligentes Anordnen optimiert Arbeitsabläufe 

Geschickte Anordnung von Spüle, Arbeitsgeräten und Schränken spielen in jeder Küche eine Rolle. In der barrierefreien Küche hingegen steht und fällt die Ergonomie mit einer intelligenten Anordnung der Kücheneinrichtung. Bei gehbehinderten Menschen kommt es auf jede Bewegung an. Daher sind hier optimierte Abläufe, die sich mit wenigen Bewegungen machen lassen, absolutes Muss. 

In barrierefreien Küchen hat sich eine Übereckkonstruktion mit Kochfeld und Spüle bewährt. Durch die unterfahrbare Arbeitsplatte kann so komfortabel gearbeitet werden, ohne dass kompliziertes Vor- und Zurückfahren notwendig wäre. Gemüse waschen, schneiden und kochen ist so ein Arbeitsgang, der in wenigen Handbewegungen möglich ist, ohne die Sitzposition zu verändern. Dasselbe gilt für den Einbau der Küchengeräte, dem ein individuelles Augenmaß bedarf. In rollstuhlgerechten Küchen wird der Einbau der Küchengeräte auf 55 Zentimeter Höhe empfohlen. Allen anderen Küchengeräten wie Kaffeevollautomat und Mikrowelle wird ein Platz in Schubladenauszügen oder in den absenkbaren Oberschränken zugewiesen. So wird jede unnötige Bewegung vermieden und der eigentliche Kochvorgang geht leichter von der Hand. Integrieren Sie ausreichend Steckdosen und auch Lichtschalter möglichst in der Blende unterhalb der Arbeitsfläche, die für Rollstuhlfahrer einfach zu erreichen sind. 

Sicherheit gibt ein gutes Kochgefühl

Sicherheitsvorrichtungen sind in einer behindertengerechten Küche gänzlich anderen Anforderungen ausgesetzt als in einer handelsüblichen Küche. Achten Sie auf einen antistatischen, rutschfesten und rollstuhlgeeigneten Bodenbelag. Innovative, hochentwickelte Technologien, wie Sensoren am Boden für eine Sturzerkennung, erweitern seit Neuestem den Küchenmarkt. Derartige Lagesensoren sind heutzutage bereits in den meisten Seniorenhandys eingebaut und lösen automatisch eine individuell konfigurierte Notfallkette aus, wenn mittels GPS ein Sturz wahrgenommen wird. 
Zum Sicherheitsstandard gehören ebenfalls Rauchmelder und Notfallknöpfe, die bei einem Pflegedienst aufgeschaltet sind. Ebenfalls denkbar sind ganz pragmatische Lösungen wie abgerundete Ecken anstelle scharfer Kanten und Bodenstopper, damit Rollstuhlfahrer nicht unter die Arbeitsplatte rutschen. Weitere Sicherheitsmaßnahmen in einer barrierefreien Küche betreffen vor allem die Inneneinrichtung der Küchenschränke. Auszüge sind mit Ausziehsperren auszustatten und können zusätzlich an geeigneten Stellen Handläufe aufweisen, sodass bei Gleichgewichtsproblemen und physischer Instabilität stets eine sichere und komfortable Küchennutzung gewährleistet wird. Überhaupt: Handgeländer vor Treppen, Türen, Lichtschaltern und anderen räumlichen Hindernissen geben Stock- und Rollatornutzern zusätzlichen Halt, wenn die Hände plötzlich mehrere Dinge gleichzeitig erledigen sollen. 

Kompetenter Rat spart bares Geld 

Beim Planen einer barrierefreien Küche helfen viele Ratgeber auf dem Küchenmarkt wie beispielsweise nullbarriere.de und ein Blick in die Europäische Norm für barrierefreies Wohnen. Der Staat gewährt Pflegebedürftigen Zuschüsse zur Verbesserung des individuellen Wohnraums. Ausschlaggebend ist der festgestellte Grad der Behinderung bei Antragstellung. Bei der Küche werden insbesondere motorisch absenkbare Hängeschränke, behindertengerechte Armaturen und rutschfeste Böden bezuschusst. Der Preis einer barrierefreien Küche hängt maßgeblich von der Planung im Vorfeld ab. 

Obwohl nahezu jeder große Küchenhersteller auch behindertengerechte Küchen anbietet, kann man eine Menge Geld sparen, wenn schon bei der Planung alle individuellen Faktoren berücksichtigt werden. Der MHK-Experte Dirk Schläfer, Inhaber eines Küchen-Fachgeschäftes in Mainz, erklärt: „Die Planung einer barrierefreien Küche hängt insbesondere davon ab, ob Sie für Ihr Alter vorsorgen oder schon akuten Bedarf haben. Bei uns hat sich bewährt, die Beratung hinsichtlich einer barrierefreien Küche direkt in Ihrem Zuhause vorzunehmen. So können gleich die baulichen Gegebenheiten vor Ort besprochen und in die Überlegungen miteinbezogen werden.“ In der Küchenberatung kann aus einem großen Repertoire an klassischen Küchenelementen in Kombination mit Maßanfertigung oder auf Komplettlösungen großer Küchenmarken zurückgegriffen werden. Mittels kompetenter Beratung steht der individuell passenden barrierefreien Küche also nichts im Weg. 

Händlersuche