Tipps zum Vergleichen von Angeboten © Gina Sanders /Fotolia

Küchenangebote vergleichen

Das Wichtige steht zwischen den (Küchen)zeilen

Im bundesdeutschen Schnitt steht statistisch gesehen alle 17 Jahre der Kauf einer neuen Küche an. Und die Investition liegt dabei oft im fünfstelligen Bereich. Da lohnt sich ein Vergleich. Bei der Beurteilung unterschiedlicher Angebote ist natürlich der Preis eine eindeutige Entscheidungsgrundlage. Doch der bedarf einer genauen Analyse. Sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen und setzen unter Umständen Ihr Budget falsch ein. Eine Grundregel sollten Sie verinnerlichen, bevor Sie einen Angebotsvergleich vornehmen: Lassen Sie sich nicht von Rabatten beeindrucken! Diese obliegen oft der reinen Willkür des Anbieters. Teilweise werden Rabatte von 50 Prozent und mehr angeboten – doch worauf eigentlich? 

Es gibt für Küchen keine unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, da sich der Preis einer Küche aus mehreren, unterschiedlichen Positionen zusammensetzt. Grundsätzlich gibt es einen Preis für das Mobiliar, für die inkludierten Geräte sowie die Arbeitsplatte. Hinzu kommen noch Kosten für die Montage und Anschlüsse der Elektrogeräte sowie der Wasserinstallation. Vier Faktoren also, die den Endpreis maßgeblich bestimmen und bei denen der Anbieter Gestaltungsspielraum hat.

Was ist im Preis enthalten?

Den Gesamtpreis für eine montierte Küche präsentiert man Ihnen im Abholmarkt, in Baumärkten, im Möbelhandel und im Küchenstudio gleichermaßen. Doch welche Komponenten sich darin verbergen, ist sehr unterschiedlich.

Bei Billiganbietern werden Sie oft feststellen, dass Lieferung und Montage nicht enthalten sind oder sehr niedrig angesetzt werden. Erfahrene Küchenmonteure haben ihren Preis, was sich in der Qualität der Montage auch widerspiegelt. Hier wird oft am falschen Ende gespart. 

Manche Anbieter wiederum planen mit extrem günstigen Elektrogeräten, die eher schlechte Energieeffizienzklassen aufweisen. Auch hier lässt sich ein vermeintlicher Preisvorteil gegenüber anderen Angeboten leicht enttarnen. Und ganz entscheidend ist die Qualität des Mobiliars: Was äußerlich solide aussieht, entpuppt sich manchmal als „Billigmöbel“. Zwischen hochwertigen Echtlack- oder Glasfronten und den weit verbreiteten Möbeln mit Melaminfronten besteht ein himmelweiter Preisunterschied. Ähnliches gilt für die Beschaffenheit und Qualität Ihrer Arbeitsplatte. Denn hier zeigt mangelnde Qualität bereits nach kurzer Nutzungsdauer unschöne Verschleißerscheinungen.  

Angebote richtig vergleichen © goodluz/Fotolia

Angebote richtig vergleichen

Lassen Sie sich vom Küchenplaner die einzelnen Kosten aufsplitten. So können Sie schnell durchschauen, ob ein Gesamtpreis für eine Küche wirklich günstig ist oder ob einfach am falschen Ende (zum Beispiel an den Elektrogeräten) gespart wird.

Die folgende Checkliste hilft Ihnen, Angebote besser miteinander vergleichen zu können:

  • Küchenplanung: Sind die Möbel in den Angeboten vergleichbar und gleich ausgestattet? Beispiel: Apothekenauszüge sind sehr viel teurer als reguläre Schranktüren.
  • Sind die Frontmaterialen vergleichbar? Wie sind die Möbel technisch aufgebaut? Beispiel: MDF-Platte mehrfach lackiert oder Pressspan folienbeschichtet?
  • Sind die verwendeten Trägerplatten, Scharniere und Beschläge vergleichbar? Beispiel: Auszüge mit Selbsteinzug, sanft schließende Scharniere oder Standardware aus dem Möbelbau?
  • Korpushöhe: Sind hier Sonderwünsche Ihrerseits berücksichtigt oder ist alles im Standardformat? Beispiel: individuelle Höhe der Arbeitsplatte.
  • Wie steht es um die Griffe? Metall, Blech oder Kunststoff? Beispiel: Edelstahlgriffe sind optisch schöner und langlebig, Kunststoffgriffe verblassen und brechen schnell.
  • Was bietet das Innenleben? Wie sehen die Besteckeinsätze aus? Wie die Auszüge? Sind die Seitenwände aus einfachem Kunststoff oder hochwertigem Metall oder gar Glas?
  • Zubehör: Beleuchtung, Mülltrennsystem oder Eckschranklösungen mit Rondell: Oft sind diese Details teuer, entscheiden aber über Praktikabilität und Ästhetik.  
  • Spüle: Bietet man Ihnen eine simple Edelstahlspüle oder eine edle Spüle aus Keramik oder Verbundwerkstoff mit hochwertigen Armaturen? Hier geht es schnell um Preissprünge im vierstelligen Bereich.
  • Arbeitsplatte: Für viele ist das eine der entscheidendsten Fragen überhaupt: Granit, Echtholz, Verbundwerkstoff, Keramik oder eine mit Kunststoffen beklebte Standardplatte? Auch hier sind die Unterschiede gewaltig.
  • Elektrogeräte: Lassen Sie sich die Energieeffizienzlabels zeigen und vergleichen Sie die Preise genau. Beispiel: Schon ein Plus in der Effizienzklasse „weniger“ macht einen großen Preisunterschied nach unten aus. Bedeutet aber im Umkehrschluss ein mehr an Stromverbrauch. 
  • Sind Montage und Lieferung im Preis enthalten? Sonst fragen Sie explizit nach den Zusatzkosten für diesen Service.  
  • Dasselbe gilt für die Anschlüsse von Elektrogeräten und Wasserinstallation. Nehmen Sie zum Vergleich die Preise, die Ihr ortsansässiger Fachbetrieb dafür veranschlagen würde. 

Wenn Sie diese Posten der Angebote zueinander in Relation setzen, können Sie Angebote transparent machen und so besser vergleichen. Profiberater im Fachgeschäft werden Sie über die Zusammensetzung des Angebots nicht im Unklaren lassen. Der MHK-Experte Dirk Schläfer, Inhaber eines Küchen-Fachgeschäftes in Mainz, erklärt: „Bei unseren Planungen weisen wir unsere Kunden ganz bewusst auf die einzelnen Kostenfaktoren hin, um Einsparpotenziale diskutieren zu können oder Alternativen für die Gewichtung der einzelnen Komponenten aufzeigen zu können.“

Verschaffen Sie sich möglichst große Kostentransparenz und treffen Sie Ihre Entscheidung für Ihre neue Traumküche nicht ins Blaue hinein. Denn Sie treffen immerhin eine Entscheidung, mit der Sie viele Jahre leben werden müssen. 

Küchenkauf © Kzenon/Fotolia

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